Kinderleben -Eine Zukunft für Strassenkinder in Mae Sai
Ausflug ins goldene Dreieck (01.04.02)
Damit ich wenigstens etwas in meinen 14 Tagen sehen könne, versprach Ngaow
an meinem letzten Tag ins goldene Dreieck zu fahren, und ca. 10 der größeren Kids
mitzunehmen, weil die Verpflegung der gesamten Meute unterwegs zu teuer wäre.
Gegen 10 sollte es los gehen, die Kids hatten alle ihre T-Shirts an und standen in Reih und Glied. Ngaow redete mit ihnen .Ich dachte jetzt folgt die schmerzhafte Auswahl wer mit darf. War ein Irrtum denn gegen 11 Uhr ging's mit 32 Kids und 4 Erwachs-
enen los, ich ausnahmsweise mal vorne bei Ngaow, ein Privileg bei der Affenhitze und dem Gedränge auf der Ladefläche.
Doch es ging nur ein paar hundert
Meter dann meinte Ngaow, mit dem
Reifen könne er nicht soweit fahren
und wendete. Ich fragte ihn wo er
hinwolle doch da fuhren wir schon
in den Schatten einer Werkstatt.
Die Kids mußten absteigen, Der
Wagen wurde aufgebockt und mit
einem anderen Reifen versehen
Ich dachte kurz an die Abrechnung die ich wieder bekommen würde, denn am Tag vorher war erst eine neue Welle fällig, doch
dann ging es los, aber nur bis zur nächsten Tankstelle, denn mit Luft alleine hätten wir es wohl nicht geschafft. In diesem
Moment wurde mir klar, wie kleinkariert wir oft wegen Benzinrechnungen und Reparaturen bei Ngaow moniert hatten, fern ab von jeder Praxis und ich nahm mir vor hier zukünftig fairer zu sein.
Irgendwann ging es weiter in Richtung goldenes Dreieck, sogar ca. 15 km, dann bogen
wir rechts ab und fuhren zum Harbourhause, (Hilfsorganisation für Mädchen). Gebaut mit
Unterstützung großzügiger Thais und momentan genutzt von nur 12 Schülerinnen. Die
Direktorin wurde von unserem unangemeldeten Besuch überrascht, lächelte bei Ngaows
Frage, ob sie uns eventuell zu Mittag verköstigen könne und irgendwann waren wir Alle
mit warmem Essen versorgt, die Kids hauten rein, als ob es Zuhause nichts zu Futtern gäbe.
Mit Mühe konnten wir anschließend die Kids einsammeln die das Gelände nutzen
um alles Mögliche zu spielen. Irgendwann kamen wir dann auch am Ziel an und
standen auf der hohen Böschung des Mekong im Dreiländereck. Der Anblick war
beeindruckend, dazu die Boote auf dem Fluß, ich fragte Ngaow was ein Boot für uns
koste, er schaute mich unglaublich an erkundigte sich aber und meinte 800 Baht
.
OK, ich gab sie ihm und sagte das muß jetzt sein, er besorgte das Boot und wir
stiegen die vielen Treppen zur Anlegestelle runter.
Die Bootsfahrt war ein Riesenerlebnis und zwar nicht nur für die Kids, deren Augen strahlten.
Wir steuerten eine Insel an die zu Laos gehört und gingen dort an Land. Die Insel besteht nur aus Verkaufshallen und
Ständen für Touristen, wir konnten nur schauen, die Kinder taten dies auch ausgiebig. Während des gesamten Aufent-
haltes auf der Insel waren Sissys und meine Hände belegt, ich hatte das Gefühl die Kids suchen Schutz in dieser fremden,
ungewohnten Welt. Unsere Truppe erregte Aufmerksamkeit bei den vielen Touristen, erstaunt schauten sie auf die
ordentlich gekleidete und diszipliniere Kinderschar und besonders auf die Kleinen die an der Hand von Farangs gingen.
Vor der Rückfahrt wollte ich wenigstens bis zu den Knien im Mekong gewesen sein, es wurde mehr, denn ich sank ein,
verlor einen der Sandalen, konnte ihn aber wieder einfangen bevor der Mekong ihn in Vietnam ins Meer tragen konnte.
Wieder am Thai. Ufer führte uns Ngaow einen Berg zu einem Aussichtspunkt
hoch, eine Qual bei der Hitze, doch dann ein herrlicher Blick auf den Zusammen-
Fluß von Mea Sai River und Mekong und das ganze goldene Dreieck.
Wir hatten Durst, auf dem Pickup waren auch Trinkwasserkanister, doch der
Pickup war weit und das Wasser wahrscheinlich so warm, dass es zum Tee-
kochen geeignet war, es gab Cola und alles was Touristenherz begehrt richtig
schön temperiert 12 bis 15 Baht, kein Problem also. Einfach ein Cola kaufen und
vor den Augen der auch durstigen Kinder genußvoll trinken, oder 35 Cola kaufen,
wir entschlossen uns zu verzichten, wenigstens auf Cola.
Doch da war ein Eiswagen, mit Eis schon ab 4 Baht, also machte ich Ngaow klar, dass ich jetzt gerne Eis für Alle hätte, er solle das mit dem Verkäufer klar machen.
Ngaow machte alles klar, meinte aber wir sollten den armen Akkah Kindern die
in Tracht zum fotografieren durch Touristen da waren auch ein Eis spendieren.
OK, die Kids standen Schlange, nahmen ihr Eis in Empfang, bedankten sich wie
immer mit gefalteten Händen, doch dann ging auf halbem Weg das Eis aus, zum
Glück gab es noch welches in anderen Preisklassen und wir schafften es noch,
dass irgendwann ca. 50 Münder genußvoll ihr Eis genießen konnten.
Über Burma oder Laos oder war es Thailand, wer soll das dort auch blicken, zogen Gewitter auf, ich fragte Ngaow ob es
nicht Zeit wäre zu gehen, denn ich stellte es mir nicht angenehm vor auf der Ladefläche des Pickup in eines der Gewitter
zu kommen die wir die letzten zwei Tage hatten. Übereilt brachen wir auf, die Kids waren weit verstreut und keiner hatte
den Überblick ob wir wieder komplett waren, ich vermißte Nasso und ging zurück sie zu suchen, fand sie aber nicht,
zum Glück war sie schon auf dem Auto und wir fuhren los, doch zu spät, es begann zu regnen. Ngaow suchte eine
Möglichkeit zum unterstellen, doch irgendwie war da nichts und so fuhren wir einfach dem Regen davon und kamen einigermaßen trocken wieder Zuhause an.
Zuhause, ja ich weiß, mein Zuhause ist hier in Deutschland und doch fühlte ich mich in dem Moment wie früher, wen ich
mit der Familie von einem schönen Ausflug zurückkam, einfach daheim, am Liebsten wäre ich einfach da geblieben.
Auch Helfer sind Menschen und haben ihr Privatleben und da hatte ich am Tag vorher schlechte Nachrichten aus
Deutschland bekommen, die mich belasteten und traurig machten. Ich glaube meine kleinen Freunde haben das gespürt
und waren daher so besonders anhänglich an dem Tag und wenn Nasso unsere Sprache sprechen könnte hätte sie
sicher gesagt "Hey Du Bernd lach doch wieder".
zum Seitenanfang
Home
zurück