Kinderleben -Eine Zukunft für Strassenkinder in Mae Sai
Bericht von Sissy nach wenigen Tagen als Volontärin im Projekt (04.02.02)
Erste Eindrücke
Ich bin jetzt 3 Wochen hier in
Mae Sai und immer noch
beeindruckt von all den neuen
Erfahrungen. Schon der erste
Tag im Childlife-Haus begann
mit einer sehr herzlichen Begrüßung von den Kindern.
Alle versammelten sich in Reih
und Glied und sangen Begrüßungs-
lieder, anschießend bekam ich, wie
jeder Volontär einen thailändischen
Namen (Pii Ohn). Obwohl die meisten
Kinder noch zurückhaltend waren,
nahmen mich Einige gleich an die Hand
und zogen mich mit.
Nach der "Hausführung" wurde mir erst bewußt, was es heißt, wenn 46 Kinder auf engstem Raum schlafen und
leben. Man kann es sich trotz den Beschreibungen und Bildern nicht wirklich vorstellen. Natürlich sind die Kinder
sehr glücklich und wissen es zu schätzen, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Ich bin beeindruckt, wie
gut hier alles funktioniert und alle so gut zusammenarbeiten.
Die Kinder putzen und waschen nahezu selbständig, auch wenn man
einige ab und zu an das Duschen erinnern muß. Auch beim kochen
helfen sie täglich mit. Obwohl es fast ausschließlich Reis mit Gemüse
gibt, sind alle überglücklich, Essen auf dem Tisch zu haben, da es
auch schon schlechtere Zeiten gab. Es ist überraschend für mich wie
sehr sich diese Kinder von anderen unterscheiden, sie sind unglaublich
dankbar, selbständig und zuvorkommend. Auf der anderen Seite
brauchen sie viel Zuneigung und Liebe, dementsprechend genießen sie
die Zeit, die man mit ihnen verbringt.
Das Leben hier ist auf das nötigste beschränkt und auch ich muß mich sehr umstellen. Jedoch läßt einen das
Lächeln der Kinder alles vergessen! Trotzdem ist es bewundernswert, wie Ngaow alles aufgegeben hat und sein
Leben vollkommen auf die Kinder gepolt hat, dementsprechend auf alles verzichtet, was er sich normalerweise als Grafiker leisten könnte!
Die Malaktion
Ich habe einige Spielsachen und Kleidung aus Deutschland mitgebracht, viele davon stammen von Freunden.
Die Kinder haben sich total gefreut und auch hier zeigte sich wieder, wie dankbar sie für jede Kleinigkeit sind.
Besonders erfreut waren die Jungs über die Spielautos, die mittlerweile nahezu alle bei ihnen untergetaucht
sind. Auch die Seifenblasen waren und sind hier der Renner, alle sind voller Freude den Blasen hinterher gehüpft
und wollten immer mehr, Gott sei Dank gibt es Spülmittel...!
Was aber scheinbar nie uninteressant wird, ist das malen. Wir mussten schon die Mal-
bücher kopieren, da diese sonst sofort
ausgefüllt wären. Eines Tages setzten Verena und ich uns mit ein paar Kindern zum malen hin.
Plötzlich versammelten sich alle um uns herum und begannen eifrig die Bilder auszumalen, so lange bis kein Blatt
mehr da war. Eine richtiger Malrausch war ausgebrochen. Die enttäuschten Gesichter als alles leer war ver-
schwanden dann, als wir alle ihre Werke an die Wände hingen und jeder stolz seinen Namen drauf schrieb.
Am Ende sahen die meist kahlen Wände viel schöner aus.
Die Kinder an der Brücke
Als ich das erste mal an der Brücke war, wo sich die
meisten Strassenkinder aufhalten, war ich schockiert,
wie sie leben. Viele tragen ihre kleinen Geschwister
auf dem Rücken, welche schon jetzt oft unter Drogen
stehen, damit sie ruhig sind oder schlafen!
Die älteren
liegen nachts oft vor dem Supermarkt, sind betrunken
oder high. Sie haben alleine kaum die Möglichkeit
etwas aus ihrem Leben zu machen.
Wenn sie älter sind werden die meisten zum Schmuggeln eingesetzt oder verkauft. Die meisten Kinder sind
gezwungen für ihre Eltern zu betteln, da sie selbst wegen fehlender Papiere keine Arbeit bekommen oder auf der
Strasse kein Geld mehr erbetteln Können!! Ein Junge "Ajo" zum Beispiel war über einen längeren Zeitraum
schon mal hier und ist zurück zur Brücke gekehrt. Er würde jetzt gerne wieder kommen, muß aber für seine
kranke Mutter betteln gehen, da sie selbst nicht mehr in der Lage ist für sich zu sorgen. Andererseits zieht es Ajo
auch sehr zur Brücke, da er sich nicht immer in Childlife eingliedern kann bzw. Probleme mit dem begrenzten
Freiraum hat, da man hier natürlich in Gemeinschaft lebt und aufeinander Rücksicht nehmen muß. Das ist leider für einige Kinder ein Problem, weshalb es einen kleinen Teil immer wieder auf die Strasse zieht. Da Ngaow
momentan nicht so viel Zeit hat, sich um die Strassenkinder zu kümmern, sind Verena und ich die letzte Zeit öfter
dort gewesen und haben uns ein wenig mit ihnen beschäftigt, sowie ab und zu ein Eis oder Obst gekauft. Sie
freuen sich total, wenn man ein paar Minuten mit ihnen spielt und ihnen etwas Zeit schenkt. Jedoch fällt es mir
jedes mal schwer wieder zu gehen und sie ihrem Schicksal zu überlassen!! Doch auch Ngaow fährt jeden abend
am Supermarkt vorbei und schaut, ob Ajo oder andere Kinder dort sind. Meist halten wir dann an und Ngaow
redet ein wenig mit ihnen oder gibt ihnen ein paar Süßigkeiten.
Das erste grosse Ereignis: Fischen
Der erste Ausflug, den ich erleben durfte war das Fischen auf dem Grundstück des Nachbarn. Sofort, als fest stand, dass es heute zum See
geht, waren alle total aufgebracht und brachten Eimer,Schalen und Netze
zum Auto. Es war ein lustiges Bild alle Kinder auf dem Pickup und dem
Moped zu sehen. Am See angekommen waren schon ein paar Männer
am Fischen, und da das Wasser schon ausgepumpt wurde, war es nur
noch ein Schlammbad. Die Kinder stürzten sich begeistert hinein und
begannen die Fische mit Händen aus dem Matsch zu fangen, welche
später gewaschen und sortiert wurden.
Es war quasi unmöglich sauber zu bleiben, sobald
man den See betreten hat, da die Kids es sehr lustig
fanden uns mit Schlamm zu bewerfen. Es hat aber
riesigen Spaß gemacht und ich freue mich schon auf
das nächste mal. Am Ende sahen fast alle aus wie
Sumpfmonster, dafür hatten wir aber großen Erfolg
beim Fischen. Dem zu Folge gab es die nächsten
Tage viel Fisch zum Essen, einige wurden auch
getrocknet oder eingefroren.
Besuch von Harry
Mitte Januar bekamen wir Besuch von Harry, der Offroadtouren mit dem Motorrad für Touristen anbietet und
das Childlife-Haus als Besichtigungspunkt aufgenommen hat. Dafür lassen sie dann immer ein paar Baht als Spende da. Er kam mit zwei Männern aus Deutschland, die sich interessiert das Haus ansahen und sich
die Situation genau erklären ließen.
Harry wird wahrscheinlich in ein
paar Wochen mit mehr Touristen
kommen, worüber sich die Kinder
sicherlich freuen, da dann noch mehr
Bikes zu bestaunen sein werden.
Lagerfeuer auf dem Reisfeld
Das erste Februar Wochenende sind wir mit den größeren Kindern wieder auf das Grundstück des Nachbarn
gefahren, um dort zu übernachten. Die Aufregung war groß und vor allem für die Kinder war es ein Aben-
teuer! Dort angekommen bauten wir uns Erstmal Betten aus Stroh und Matten, diese Variante war sogar
gemütlicher als im Haus!
Wir nahmen etwas Reis mit und die Kinder sammelten
beim Schwimmen einige Muscheln, die es dann auch
als Soße gab. Außerdem brachten sie stolz eine
Bananenstaude, die sie dann über dem Feuer gebraten
haben, was für mich total neu war und ich vorher auch
noch nie gesehen bzw. gegessen habe. Es hat sogar
nicht schlecht geschmeckt. Als es langsam dunkel
wurde, haben wir ein größeres Feuer aus Stroh
gemacht und Ngaow hat den ganzen abend mit den
Kindern Gruppenspiele gemacht.
Es war total lustig, alle waren an diesem Abend gut drauf und jeder schien seine
Probleme oder Streß vergessen zu haben. Zwischendurch kamen uns Pok und
Aeh besuchen, Ralph ist bei den kleineren Kindern im Haus geblieben.

Als es dann Schlafenszeit wurde und einige Kinder sich schon hingelegt hatten, beschloß Ngaow doch, dass es
besser sei nicht auf dem Feld zu schlafen. Es ist nachts doch noch sehr kalt, es gibt viele Moskitos und auch
Schlangen, weshalb wir dann im Stockdunkeln alles wieder abbauten. Aber selbst das wurde zum Spaß, da
kaum Jemand seine Schuhe finden konnte und es nur wenige Taschenlampen gab. Verena mußte dann wohl
oder übel mit nur einem Schuh nach Hause fahren. Wir verstauten alles im Pickup und murmelten uns in alle
Decken ein, die wir hatten. Der Himmel war voller Sterne und wir sangen alle gemeinsam, wen auch alle durcheinander und so wurde es trotzdem ein schöner Abend.


Fazit
Was ich bisher erlebt habe hat mich schon sehr beeindruckt und ich freue mich schon darauf, was noch kommen wird! andererseits ist mir erst hier die Situation vor Ort klar geworden und ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend ist. Die Umstellung vom Essen, der Schlafsituation, etc. fällt nicht immer leicht. Aber es ist eine gute Erfahrung zu sehen, wie gut es einem in Wirklichkeit zu Hause geht und man lernt, die oft selbstverständlichen Dinge viel mehr zu schätzen. Trotz Schwierigkeiten, die auftreten sind, bin ich sehr froh diesen Schritt gemacht zu haben und habe noch keinen Tag bereut.
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